Warum der Mensch von Anfang an Mensch ist
Wann beginnt der Mensch? Die Antwort ist klarer, als viele denken: mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Warum das so ist, lässt sich in sechs Schritten zeigen.
1. Was jemand ist und tut, sind verschiedene Dinge
Jeder Mensch denkt, fühlt, entscheidet und liebt. Das setzt voraus, dass jemand da ist, der das tut. Das Tun bringt jedoch nicht das Dasein hervor. Also kann auch niemand aufhören, Person zu sein, weil er gerade nicht denkt, fühlt oder handelt.
2. Auch wer nichts kann, bleibt Mensch
Ein Mensch mit Demenz kann nicht mehr geordnet denken, auch wenn sein inneres Erleben, seine Gefühle und Momente der Klarheit bis zuletzt bleiben. Ein Mensch nach irreversiblem Hirnfunktionsausfall, durch Herz-Lungen-Maschine am Leben erhalten, wird nie mehr fühlen. Beide bleiben Personen. Wer dies bestreitet, müsste sagen: Ab einem bestimmten Verlust an Fähigkeiten hört man auf, Mensch zu sein. Menschsein müsste man verdienen und man könnte es verlieren – eine Anmaßung.
3. Der Embryo ist Mensch
Bei der Verschmelzung entsteht ein eigenständiges Wesen menschlicher Natur, das von innen heraus auf Denken, Freiheit und Liebe angelegt ist. Es wird nicht durch Entwicklung zum Menschen – es entfaltet lediglich, was es bereits ist. Es gibt keine „werdenden Personen“. Der Embryo ist ein Jemand.
4. Menschliches Leben ist das Leben einer Person
Die Unterscheidung zwischen biologischem Leben und Personsein lässt sich weder in der Wirklichkeit noch im Denken aufrechterhalten. Das biologische Leben eines Menschen ist immer das Leben einer Person.
5. Jeder Mensch besitzt unverlierbare Würde
Wenn der Mensch von Anfang an Person ist, besitzt er von Anfang an eine Würde, die niemand geben oder nehmen kann. Sie gehört zum Wesen der Person. Der Mensch ist ein Jemand, kein Etwas.
6. Aus dieser Würde folgt das Recht auf Leben
Jedes Grundrecht gründet in der Würde des Menschen. Wenn die Würde von der Empfängnis an besteht, besteht auch das Recht auf Leben von da an – allein aufgrund dessen, was der Mensch von sich aus ist.
Wer mit Verstand hinsieht, erkennt: Jeder Mensch ist von Anfang an jemand. Und hat Würde und ein Recht auf Leben – von Anfang an.
Dr. Raphael E. Bexten
Basierend auf Argumenten aus der Dissertation[1] des Autors (2017)[2]
- Bexten, R. E. (2017). Was ist menschliches Personsein? Der Mensch im Spannungsfeld von Personvergessenheit und unverlierbarer ontologischer Würde. Eichstätt-Ingolstadt, Univ., Diss. ISBN: 978-3-7450-0210-2 ↩︎
- Die Zusammenarbeit mit einer künstlichen Intelligenz, die mir beim Schreiben werkzeuglich geholfen hat, zeigt, dass Forschung heute in neue Formen übersetzt werden kann. Als LLM wurde Claude Opus von Anthropic gemäß folgender Methodik verwendet: Alessandro Negro u. a.: Knowledge Graphs and LLMs in Action. Shelter Island: Manning, 2025.
Die Gedanken, Argumente und Überzeugungen sind meine eigenen. Sie stammen aus jahrelanger Forschung und einer tiefen persönlichen Überzeugung. Die klare, einfache Sprache, in die sie gefasst sind, ist jedoch auch ein Verdienst dieser neuen Art des Schreibens. Ich sehe darin keinen Widerspruch zur Philosophie – im Gegenteil: Wenn ein Gedanke wahr ist, dann muss er sich auch einfach ausdrücken lassen. ↩︎