Weihnachtsbrief 2023

Weihnachtsbrief 2023

Liebe Freunde des Lebens,

während die Koalition in vielen Bereichen Kompromisse schließt und laviert, bleibt sie in ihrem bioethischen Programm ideologisch einhellig: Sowohl die Zulassung der Suizidbeihilfe als auch die endgültige Legalisierung der Abtreibung werden strikt weiter verfolgt. Der BVL und seine Vereine haben auch in diesem Jahr viel Zeit und Arbeit aufgewendet, um die Position der Menschenwürde und des Lebensrechts in der Debatte zu halten und zu Gehör zu bringen.

Auch Europa möchte weitere bioethische Grenzen aufweichen: So sollen Embryonen und Föten künftig von der Bewertung und Handhabung her genauso behandelt werden wie Gewebezellen oder Blutspenden (SoHO-Verordnung: Substances of Human Origin). Die Definition von Ehe und der Umgang mit bestellten und von Mietmüttern ausgetragenen Kindern sollen durch gegenseitige Anerkennung der EU-Staaten aufgeweicht werden, ungeachtet der nationalen Gesetzgebung. So wird versucht, die in einigen Staaten noch verbotene sogenannte Leihmutterschaft zu umgehen.

Für 2024 steht also, neben unseren Großdemonstrationen in Berlin und Köln und den Fachtagungen, weiterhin viel politische und gesellschaftspolitische Arbeit an. Wir freuen uns, wenn Sie uns dabei unterstützen!

Gesegnete Weihnachten und ein gutes Neues Jahr wünscht Ihnen, auch im Namen unseres Vorstands und unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Ihre

Alexandra Maria Linder


Unser Wagnis, zwei parallele Märsche für das Leben zu veranstalten, ist gelungen: Etwa 4.000 Teilnehmer in Berlin, etwa 2.800 Teilnehmer in Köln bewiesen erneut ihren friedlichen Einsatz für das Lebensrecht und – vor allem in Köln – ihren Mut, trotz heftigen Widerstands auf die Straße zu gehen. Einen Bericht unserer jungen, engagierten Mitstreiterinnen können Sie in dieser Zeitung lesen. Besonders peinlich für Köln war, dass Oberbürgermeisterin Reker zum Widerstand gegen unsere Veranstaltung aufrief. Dies wird auch ein juristisches Nachspiel haben.

Mit einer Fachtagung in Berlin zu Suizidprävention, Euthanasie in Kanada und dem faszinierenden Schwangerschafts-Wechselspiel zwischen Mutter und Kind wurde das Pro life-Wochenende traditionell eröffnet, begleitet durch Jugendkongresse, Vorträge, Pressegespräche und vieles mehr. Die hochrangigen Vorträge der Tagung können Sie im Internet ansehen, ebenso wie das Marsch-Podium in Berlin.

Die politische Lage können Sie der Zusammenfassung der CDL entnehmen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission zur Neuregelung des § 218 hat auch von uns eine sachliche Stellungnahme erbeten und erhalten. Bei der mündlichen Anhörung in Berlin konnten wir unsere Position detailliert darlegen. Hierfür wichtig war unter anderem die in dieser Ausgabe vorgestellte Studie zu Abtreibungsmotiven, die praktisch nirgendwo erfasst werden – eine wertvolle Quelle für unsere Arbeit. Die Ergebnisse der Kommissionsarbeit werden im Frühjahr vorliegen.

In Berlin wird ein neuer Anlauf zur Legalisierung des assistierten Suizids unternommen – eine Studie in München zeigt aktuell, um welche Probleme es wirklich geht: Fachfremde Mediziner erstellten Gutachten, Verstorbene hatten Auffälligkeiten wie Depression oder Demenz, bei Schmerzpatienten wurde nicht geklärt, ob es eine Therapie gab, etc. Wenn Lebensperspektiven und -angebote nicht besprochen, unterstützt und vermittelt werden, sondern der Tod als Lösung angeboten wird, ist dies die Kapitulation eines der wohlhabendsten Staaten der Welt.

Gerade zu Weihnachten geht es um das Leben, um Hoffnung, um Liebe, um Menschlichkeit. Diese Botschaft weiterzutragen, mit Vorträgen, Gesprächen, Veranstaltungen und tätiger Hilfe, ist unsere Aufgabe. Vielen Dank, dass Sie uns dabei unterstützen!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien Gesegnete Weihnachten und ein hoffnungsvolles Neues Jahr 2024.

Herzlich, Ihre

Ihre Alexandra Maria Linder

Vorsitzende


Den Mutigen gehört die Welt!

Marsch für das Leben 2023

„Einzigartig. Leben wagen.“ Zwei junge Frauen vom Bundesverband Lebensrecht berichten von den Märschen für das Leben in Köln und Berlin:

Gute Beiträge, randalierende Gegendemonstranten, tanzende, gutgelaunte Lebensrechtler, überforderte Polizei – der Marsch für das Leben in Köln kurzgefasst. Um 13 Uhr begrüßten Moderatorin Martine Hoppermann und der Vertreter des BVL-Vorstands und erste Redner, Paul Cullen (Ärzte für das Leben), auf dem Heumarkt fast 3.000 fröhliche Teilnehmer. Trotz des Gebrülls der Gegendemonstranten kamen auch die Rednerinnen Susanne Wenzel (CDL) und Sandra Sinder, Schwangerschaftsberaterin (ALfA), zu Wort.

Gut gelaunt hinterm Banner: Zahlreiche Teilnehmer beim Marsch für das Leben in Köln

Durch Videozuschaltung waren die Märsche in Köln und Berlin nicht nur im Geiste, sondern auch virtuell verbunden. Trotz Verzögerungen und einer Umleitung des Marsches blieb die gute und friedliche Stimmung der Teilnehmer auch in Köln erhalten. Obwohl die Randalierer unsere Demonstration trotz Polizei durch Blockaden aufhalten konnten, blieb sie friedlich und fröhlich. Mit spontanen Tanzeinlagen wurde die positive Stimmung ebenfalls aufrechterhalten. Offensichtlich war die Polizei mit der Gewaltbereitschaft der Gegendemonstranten überfordert, sodass unsere angemeldete Route nach einigen hundert Metern abgebrochen wurde und wir zurück zum Heumarkt gingen. „We are pro life“ erklang es dennoch genauso lebensfroh wie zu Beginn der Demo.

Wie in Köln präsentierten sich auch beim Marsch in Berlin die Mitgliedsvereine des Bundesverbands Lebensrecht und der Verband selbst mit Informationsständen. Die Vertreter der Vereine freuten sich über regen Besuch und Austausch, eine ideale Gelegenheit, um mit Marschteilnehmern sowie interessierten Einheimischen und Touristen vertieft ins persönliche Gespräch zu kommen. Bei bestem Wetter und in friedlicher Atmosphäre eröffnete unsere Vorsitzende Alexandra Linder um 13 Uhr die Kundgebung vor dem Brandenburger Tor. Auf dem Podium legten u.a. Arthur Alderliesten aus den Niederlanden, Thomas Schulte (Kaleb) und Alex Schadenberg aus Kanada Zeugnis von ihrem Einsatz für das Lebensrecht und der Situation in ihren Staaten ab. Fast ungestört konnte der Berliner Marsch mit mehreren tausend Teilnehmern, positiven Botschaften und Luftballons durch die belebte Berliner Innenstadt über den Potsdamer Platz zurück zum Brandenburger Tor ziehen.

Die starken Anfeindungen in Köln, die vielen Menschen, die extra für diese Veranstaltung teilweise von weither anreisen, sowie das große mediale Echo zeigen, wie wichtig und sinnvoll es ist, für die Wahrheit und das Lebensrecht friedlich auf die Straße zu gehen.

Mit etwa 4.000 Teilnehmern in Berlin und fast 3.000 Teilnehmern in Köln haben wir unsere Botschaft erneut ausgesandt: Wir sind viele, wir sind bunt, wir treten für das Leben jedes Menschen ein!

Zur politischen Lage

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission zur Neuregelung des § 218 hat Verbände und Institutionen um Stellungnahmen gebeten, welche mehrheitlich in Richtung „abgestufter Lebensschutz“ mit Schutzlosigkeit des ungeborenen Kindes bis zur 22. Schwangerschaftswoche tendieren. Neben der klaren Position aus unseren Reihen erklärten immerhin auch SkF und Caritas, dass mit Legalisierung der Abtreibung das Lebensrecht des Kindes zu Gunsten der Selbstbestimmung der Frau aufgelöst werde, und mahnten bessere Rahmenbedingungen für Familien sowie bessere Beratung an.

Kundgebung auf großer Bühne

Eine zweite Arbeitsgruppe arbeitet an der Legalisierung der „altruistischen Leihmutterschaft“, der Eizellspende sowie insgesamt an einer Liberalisierung des Embryonenschutzes. Deshalb ist mit einem Vorschlag für ein umfassendes Fortpflanzungsmedizin- oder Bioethikgesetz zu rechnen. Erneut soll über bioethische „Kompromisse“ diskutiert werden, d.h. wie viel Tötung eine Gesellschaft bereit ist zuzulassen. Immerhin seien „ geänderte Interessen, Bedürfnisse und Werthaltungen“ zu berücksichtigen, die eine Lockerung oder gar Aufgabe des Lebensschutzes rechtfertigen könnten.

Aktuell bleibt die angestrebte Neuregelung der Suizidbeihilfe. Kein Entwurf konnte sich im Bundestag durchsetzen. Es ist in Krisensituationen von entscheidender Bedeutung, dass Menschen schnell und adäquat Hilfe bekommen. Deshalb muss die Prävention vor allem anderen geregelt werden. Die Debatte war lange ausschließlich auf die Durchsetzung eines „Rechtes“ auf Suizid und einer „totalen“ Autonomie ausgerichtet. Das aber kann nicht Aufgabe des Staates sein. Derzeit gibt es keine Regelung, allen Anbietern sind also Tür und Tor geöffnet. Wir brauchen Regelungen zum Schutz der Menschen in Pflegeeinrichtungen, aber auch für Betreiber und Belegschaft zur Wahrung ihrer Gewissensfreiheit. Die Beihilfe muss verboten werden. Der Gesetzgeber sollte hierzu den Mut haben, mit dem Risiko, dass auch das neue Gesetz vor dem Höchstgericht landet.

Susanne Wenzel, Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL) e.V.


Sundaysforlife

Mit Social Media und Gesprächen die Menschen erreichen

Seit über vier Jahren geht sundaysforlife jeden Sonntag auf die Straße, um mit den Menschen über das Thema Abtreibung zu sprechen. Wir haben zahllose lange und kurze, hitzige und ruhige, konstruktive und aggressive, immer wertvolle Gespräche geführt. Wir sind sicher, dass kein Gespräch vergebens war. Vielfach haben wir das auch erfahren: Wenn jemand erneut vorbeikam und uns ansprach. Oder wenn jemand uns vor Ort schon erwartete. Auch in einer „Frontal“-Sendung des ZDF zu § 218 konnten wir unsere Positionen darstellen. In jedem Gespräch, in jedem Interview stellen wir die Menschlichkeit der Ungeborenen heraus. Das tun wir meistens mit positiven Bildern und eindringlichen Botschaften. Hier gingen wir außerdem vor kurzem das Wagnis ein, auf großformatigen Leinwänden Bilder von abgetriebenen Kindern zu zeigen – mit Gesprächsangebot, nie standen die Leinwände allein. Kein Gesprächspartner konnte leugnen, dass es sich um einen Menschen handelt. Meistens waren die Gespräche lang, intensiv und gut. Darum kämpfen wir gerade dafür, dass wir diese Bilder auch in Zukunft großformatig zeigen dürfen, was die Stadt Augsburg verhindern möchte. Es ist unsere tiefe Überzeugung, dass die Gesellschaft erst aufwachen und die Sachlage begreifen wird, wenn sie die Menschlichkeit der Ungeborenen und die Grausamkeit der Abtreibung sieht. Unsere bisherige Erfahrung bestätigt das.

Plakataktion von sundaysforlife in Augsburg

Seit neuestem können wir unsere Arbeit auch alle vier Wochen in Kassel tun, wo sich eine neue Gruppe gebildet hat. Des weiteren sind wir beim Marsch für das Leben in Berlin und Köln, mit Protesten gegen Aktionen von „pro familia“ am „safe abortion day“, Videoprojekten und täglichen social media posts aktiv. Damit erreichen wir immer mehr Leute, auch außerhalb der pro-life-Szene. Unser Ziel ist es, dass das Thema zum Mainstream-Thema wird, allgemein bekannt wird, dass es vielen Frauen nach einer Abtreibung „einfach scheiße“ geht, wie wir so oft gehört haben. Und dass bei jeder Abtreibung ein Mensch getötet wird.

Mathias Blum, Vorstandsmitglied sundaysforlife


Gründe des Schwangerschaftskonfliktes

Eine wissenschaftliche Studie

Laut Statistischem Bundesamt werden ca. 97 % der Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratungsregelung durchgeführt; die Ursachen des zugrundeliegenden Schwangerschaftskonfliktes werden nicht erfasst. Ein detaillierter wissenschaftlicher Erfassungsansatz dazu liegt nun auf Grundlage von über 1.800 Beratungsprotokollen aus den Jahren 2012–2018 der unabhängigen Telefonberatungsstelle vitaL vor. Demnach sind Partnerschaftsprobleme, biografische Gründe („falscher Zeitpunkt“) und Überforderung führende Konfliktgründe. Eine weitere Differenzierung zeigt, dass die Ablehnung der Schwangerschaft durch den Kindesvater die Konfliktlage in besonderem Maße bestimmt: Die Einflussnahme Dritter wurde von über einem Drittel der Frauen als Hauptkonfliktgrund angegeben, wobei hierunter auch der Druck durch das weitere soziale Umfeld subsumiert ist.

Häufiger Abtreibungsgrund: die Ablehnung der Schwangerschaft durch den Kindsvater

Ebenfalls erfasst wurden Ressourcen, die einer Schwangeren helfen können, das Kind trotz widriger Umstände auszutragen. Um die Aussagekraft der Ergebnisse zu überprüfen, wurde die Studie mit vorhandenen Statistiken zu Konfliktgründen abgeglichen. Die Recherche zeigte, dass das Thema in der Forschung bisher kaum behandelt wurde und auch die staatlich anerkannten Beratungsstellen keine Statistiken zu Konfliktgründen führen. Einzelne Bundesländer erfassen jedoch entsprechende Daten auf Grundlage von § 10 SchKG. Hinweise über die Konfliktlage von Frauen liefern außerdem eine Studie der BzgA aus dem Jahr 2016 sowie einzelne Jahresauswertungen der unabhängigen Beratungsstelle Pro Femina. Insgesamt konnten so die Ergebnisse in ihrer Tendenz bestätigen werden. Die beim Springer-Verlag veröffentlichte Arbeit enthält außerdem eine ausführliche Darstellung der gesellschaftspolitischen Entwicklungen rund um den Schwangerschaftsabbruch.[1]

Dr. med. Florian Dienerowitz


  1. Dienerowitz, Florian M.: Der Diskurs um § 218 StGB und Ursachen von Abtreibungen. Eine Bilanz der Beratungsregelung 25 Jahre nach den Gesetzesreformen vom 1995 (= Medizin, Kultur, Gesellschaft). Wiesbaden: Springer, 2023. Vgl. auch Dienerowitz, Florian Michael. „Die Gründe für den Schwangerschaftskonflikt im Kontext des Diskurses um den Schwangerschaftsabbruch. Eine medizinethische und medizinrechtliche Zwischenbilanz nach über 25 Jahren der Anwendung des 1995 reformierten § 218 StGB.“ Dissertation. Heidelberg, 2022. https://doi.org/10.11588/heidok.00032374. ↩︎


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